Vamos a la playa-Weihnachten und Silvester in Argentinien

Durch die Lage auf der Südhalbkugel und die dadurch entgegengesetzten Jahreszeiten wird in Argentinien pünktlich zu Weihnachten der Hochsommer eingeläutet.
Die Temperaturen klettern auf 35 Grad, was sich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit in Buenos Aires und Umgebung mehr wie 40 Grad anfühlt. Deshalb kann man hier das Kunststück vollbringen,
selbst beim Nichtstun oder Zeitungslesen im Wohnzimmer sein T-Shirt durchzuschwitzen.
Doch zum Glück bedeutet Sommer auch immer Urlaub, und so haben alle Schulkinder von Dezember bis Februar Ferien und viele Betriebe im Januar für ein paar Wochen komplett geschlossen.
Die Casa del niño blieb im letzten Jahr bis zum 23. Dezember geöffnet, um an diesem Tag eine großen Weihnachtsfeier für alle Kinder, Eltern und Unterstützer zu veranstalten.
Jede Familie erhielt dabei einen oder zwei Kartons mit Lebensmitteln, Süßigkeiten und Spielsachen, und es war schön zu sehen, wie sich die Kleinen beim Empfang ihrer Geschenke freuten und sogleich johlend die neuen Errungenschaften ausprobierten.
Höhepunkt war das aber pesebre viviente, ein Krippenspiel, an dem alle Kinder der Casita teilnahmen. Die Mädchen trugen weiße Kleider und spielten die Engel, die Jungen dagegen verkleideten sich mit Hüten und Westen als Hirten.

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Mir wurde die Rolle des Josef zuteil, sodass ich mit „Maria“ an der Krippe(mit echtem Baby als Jesuskind) kniend die Beglückwüschungen empfing.
Im Anschluss schauten wir uns noch eine Diashow des letzten Jahres an, bei der die Kinder laut jeden erkannten Namen riefen und natürlich besonders begeistert waren, wenn sie sich selbst einmal entdecken konnten.
Am Heiligabend dann war ich mit meiner Gastmutter Mónica in der Weihnachtsmesse und anschließend in Escobar bei ihrer Schwester und meiner Chefin Silvia eingeladen.
Dort kommt traditionell die ganze Familie zusammen, und wir verbrachten den Abend gemeinsam.
Das in Deutschland erst am 1. Weihnachtsfeiertag übliche Festessen gibt es hier schon einen Tag davor, sodass uns ein reich gedecktes Buffett erwartete.
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Doch obwohl auch hier die Häuser festlich geschmückt und Krippen aufgestellt werden, kam bei mir kaum Weihnachtsstimmung auf. Zum einen sicherlich wegen des „unpassenden“ Wetters, viel schlimmer aber noch: Es gibt hier keine echten Weihnachtsbäume! Einige stellen zwar einen künstlichen auf, aber auch im Freiwilligenkreis sind wir uns alle einig, dass zum Fest auch richtige Bäume gehören.
Meine Gastfamilie dagegen war leicht irritiert von der Vorstellung, dafür jedes Jahr einen halben Wald abzuholzen…;)
Trotzdem verbrachten wir einen sehr schönen Abend, nach dem Essen übernahmen die Jüngeren die Initiative und es wurde zu lauter argentinischer Musik getanzt.
Um Mitternacht zählten wir dann der Countdown herunter, stießen mit Sektgläsern an und bestaunten den von zahlreichen Raketen erleuchteten Himmel, was mich dann eher an Silvester in Deutschland erinnerte.

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Anders als in Deutschland, aber trotzdem eine interessante Erfahrung.
Auch den 25. Dezember verbrachten wir im Kreis der Familie, während der 2. Feiertag hier weniger von Bedeutung ist.
Ein paar Tage später saß ich dann bereits im Bus, um mit Leander und Philipp, zwei Mitfreiwilligen, für das Jahresende in den bedeutendsten argentinischen Badeort Mar del Plata zu fahren.
Dieser liegt 400 Kilometer von Buenos Aires entfernt am Südatlantik und ist im Winter eine ganz normale Großstadt mit 500.000 Einwohnern. Während der Sommermonate verdoppelt sich die Einwohnerzahl jedoch, sodass über eine Million Menschen die Straßen(und natürlich auch Strände) zum vibrieren bringen.
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Uns gefiel es trotzdem gut, denn wir hatten Glück bei der Hostelwahl gehabt und meistens gutes Wetter.
In der Nähe des Hafens gibt es auch eine Seelöwenkolonie, die, angelockt von den Fischabfällen, einen ganzen Strand in Anspruch nimmt und dabei einen unvorstellbaren Lärm veranstaltet.

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Den Jahreswechsel verbrachten wir zusammen mit anderen Hostelbewohnern aus verschiedenen Ländern, insgesamt hat Silvester in Argentinien aber nicht die Relevanz was wir auch in Mar del Plata gemerkt haben.

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Am 3. Januar, nach 5 Tagen an der Küste, ging es dann in einem brandneuen Zug wieder zurück nach Buenos Aires.
Einst verfügte Argentinien über ein dichtes Schienennetz mit hervorragenden Verbindungen auch in die Nachbarländer,
doch nach jahrelanger Misswirtschaft und einer Privatisierungswelle in 1990er Jahren ist davon nicht viel übrig geblieben.
Seit einigen Jahren wird dem zwar versucht entgegenzusteuern, doch da dies wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird bleibt der komfortable Langstreckenbus, der micro, weiterhin das Transportmittel der Wahl.
So auch bei meiner nächsten Reise, die mich knapp 6000 Kilometer durch Patagonien und Argentinien führen sollte.
Doch davon berichte ich in meinen nächsten Blogeinträgen.

Bis bald und noch ein paar schöne Wintertage, Jeremias

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