Reisezeit

Nach drei Monaten Arbeit in der Casita hatte ich Anfang Dezember das erste Mal Urlaub und, nach einigen Wochenendausflügen, Zeit für eine größere Reise.
Mit Max und Lars, zwei anderen Freiwilligen meiner Organisation, ging es für eine Woche in Richtung Norden zu den weltbekannten Iguazú-Wasserfällen.
Wir hatten ein 7-tägiges Paket im Reisebüro gebucht, in dem neben der Hin-&Rückfahrt sowie der Unterbringung in einem einfachen Hotel auch schon zahlreiche Ausflüge enthalten waren.
Die Entfernung von Buenos Aires betrug rund 1400 Kilometer, doch Dank des komfortablen Reisebusses mit Verpflegung und Kaffeeautomaten direkt vor der Nase verging die Zeit wie im Flug.
image

Wir durchquerten vier Provinzen, und die Vielfalt Argentiniens zeigte sich uns eindrucksvoll. Wenige Kilometer hinter Buenos Aires beginnt die Pampa, dominiert von Felder und Weiden für die Rinderzucht.
Nördlich daran schließen sich die schon interessanteren Provinzen Entre Ríos und Corrientes an, doch wie eine anderen Welt erscheint erst Misíones.
Die bislang braune Erde wechselt nach und nach ihren Farbton, um dann in einem kräftigen rot zu erstrahlen. Den Kontrast dazu bilden die sattgrünen Regenwälder, welche sich scheinbar endlos entlang der Straße erstrecken. Jeder unbebaute Quadratmeter ist fest in der Hand der Natur, und die Artenvielfalt gigantisch- es gibt wohl keinen lebendigeren Ort auf der Erde als die Regenwälder.

image

in der Nähe der Mine, noch ein paar hundert Kilometer von unserem Reiseziel entfernt

Auf der Hinfahrt machten wir in der Mine Wanda einen Zwischenstopp, um uns von einem Reiseführer die Geschichte der ehemaligen Edelsteinmine erklären zu lassen, sodass wir erst am Montagnachmittag unser Ziel, die Stadt Puerto Iguazú, erreichten.
Die Wasserfälle mit ihren Zuflüssen bilden die natürliche Grenze, sodass sich hier im Dreiländereck ebenfalls die brasilianische Stadt Foz do Iguazú sowie das paraguayanische Ciudad del Este befinden.
image

Einquartiert wurden wir in der Hostería „Los Helechos“, günstig im Zentrum und nahe des Busbahnhofes gelegen.
Bereits dort fiel uns die erstaunliche Freundlichkeit auf. Während sich die Menschen in Buenos Aires nicht groß vom gewohnten, deutschen, Umgang unterscheiden, wurden wir hier sehr offen empfangen, was sich die ganze Woche lang fortsetzen sollte.
Nach der Erkundung des relativ verschlafenen Touristenortes gingen auch wir früh schlafen, da wir am nächsten Morgen bereits um 7:30 Uhr vom Reisebus abgeholt werden sollten.
Es stand das erste Höhepunkt an, ein Ganztagesausflug zu den Wasserfällen auf der argentinischen Seite.
Nachdem wir uns erfolgreich von unserer sich bereits zum Großteil im Ruhestand befindenden Reisegruppe gelöst hatten, konnten wir das erste Mal in den Regenwald eintauchen.
Der Macuco-Trail führte uns einige Kilometer direkt durch den Dschungel zu einem der Wasserfälle, wobei das eigentliche Highlight die sich überall tummelnden Tiere und die bunte Pflanzenwelt waren.

image

Nasenbär in Aktion

Neben den obligatorischen Nasenbären sahen wir auch eine Gruppe von Affen direkt über uns von Baum zu Baum springen. Einige Meter darunter nutzten zahlreiche Echsen die Morgensonne, um sich auf einem Stein auf „Betriebstemparatur“ zu bringen.
Untermalt wurde dies alles vom unablässlichen Gesang der Vögel, welche um die schönste und vor allem lauteste Darbietung konkurrieren zu schienen.

image

rechts Lars, Max in der Mitte

Der Wasserfall selbst war nicht ganz so beeindruckend, obwohl man mit Badesachen(die wir leider vergessen hatten) dort hätte schwimmen gehen können.
Danach fuhren wir mit der Parkeisenbahn in Richtung Garganta del Diablo (Teufelsschlund) zu den Hauptwasserfällen.
Die fast 300 Wasserfälle erstrecken sich auf einer Breite von 2,7 Kilometern, und von den höchsten aus stürzt das Wasser 82 Metern senkrecht in die Tiefe. Der größte Teil davon befindet sich auf argentinischem Boden. Deshalb ist der Nationalpark hier auch deutlich größer, und oftmals ist man nur wenige Meter von den Wassermassen entfernt(wodurch die Regencapeverkäufer immer ein gutes Geschäft machen).
Von der brasilianischen Seite dagegen erhält man einen nicht minder beeindruckenden Panoramablick über das Naturspektakel. Welche Seite die schönere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

image

Blick von der brasilianischen Seite

Den brasilianischen Nationalpark besuchten wir am darauffolgenden Mittwoch. Da dort nur ein Halbtagesausflug anstand, schlenderten wir im Anschluss daran noch durch die brasilianische Stadt Foz do Iguazú. Hier gab es aber nicht allzu viel zu sehen, sodass wir schnell einen Bus in Richtung Argentinien nahmen, um den Abend im und am Hotelpool zu verbringen.
Der Donnerstag war dann schon unser letzter kompletter Urlaubstag.
Wieder standen wir zeitig auf, um auch Paraguay einen Besuch abzustatten. Ciudad del Este ist vor allem für seine Schmugglerbanden und Shoppingtempel bekannt, in denen Argentinier und Brasilianer günstig ihre Elektroartikel einkaufen gehen.
Laut den USA sollen hier auch islamistische Terroristen Unterschlupf finden, aber unsicherer als in Argentinien fühlten wir uns nicht.
Die Straßen und Gehwege vor den Einkaufszentren sind ebenfalls voll von Ständen, Verkäufern und Touristen, sodass alles wie ein einziges Chaos erscheint.
Um dem zu entfliehen, fragten wir in der Touristeninfo nach lohnenden Zielen und saßen kurz darauf auch schon auf „Moto Taxis“, um uns in deren gewohnter Kamikaze-Manier zum Itaipu-Staudamm, dem zweitgrößten Wasserkraftwerk der Welt, bringen zu lassen.
image

Die Zeit bis zur nächsten Führung wollten wir im dazugehörigen Zoo anderthalb Kilometer davon entfernt verbringen.
Wieder wurden wir sehr freundlich behandelt und bekamen schlussendlich sogar von einer Mitarbeiterin eine Privatführung-Und das wohlgemerkt alles kostenlos.
image

Bis auf die Túcans, die wir in freier Natur nicht hatten sehen können, gab es hier nicht allzu viel zu entdecken.
Leider verpassten wir danach jedoch trotz Sprints entlang der Autobahn unsere Führung im Wasserkraftwerk, sodass wir uns wieder mal zur Bushaltestelle begaben, um zurück nach Ciudad del Este zu fahren.
Besonderen Respekt hatten wir dabei vor dem Busfahrer. Selbst auf gerader Strecke kurbelte er manchmal sein Lenkrad eine ganze Umdrehung, ohne irgendetwas an der vorgegebenen Richtung zu ändern.
Trotzdem schafften wir es gut durch den Verkehr und kamen wieder im Zentrum an.
Das war mittlerweile menschenleer, denn die Läden schließen bereits um 16 Uhr, und die Reisebusse hatten sich auch schon auf den Rückweg gemacht.
Eine Stunde warteten wir noch an der Grenzstation und sahen dabei dem Verkehr und den kartenspielenden Taxifahrern zu, ehe auch unser (Linien-)Bus kam und uns ein letztes mal zurück nach Puerto Iguazú bringen sollte.
Den letzten Abend widmeten wir dann noch einmal unserem Pool, um dann am Freitagmorgen pünktlich abgeholt und nach einem Abstecher zu den Jesuitenruinen von „San Ignacio“ wieder nach Buenos Aires zurückzukehren.
image

Müde, aber glücklich über diese schöne Woche kam ich dann am Samstagmittag wieder in Pilar bei meiner Gastfamilie an.
Im Laufe des Jahres werde ich noch einige andere Reisen unternehmen und darüber natürlich auch wieder berichten, aber die Iguazú-Wasserfälle sind auf jeden Fall ein wirkliches Highlight und als Reiseziel nur zu empfehlen.

Bis bald und ein frohes Weihnachtsfest, Jeremias.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s